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Die Kneipe des Vereins Jung-München

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Die spröden Mädchen


Lange stand ich so. Aber sie kam nicht. -
Der Mond stand tief.
Vom kalten Nachttau troff mein Haar,
und schauerdurchrieselt,
wärmeverlangend
rafft' ich vom Boden mich auf,
dem Hause zuschreitend,
dem wohlbekannten,
das kurze Zeit als Sommergast mich aufgenommen. -
Leise schloß ich die Türe.
Ich dämpfte den polternden Klang
der eisenbeschlagenen Bergschuh,
und behutsam tappend mit schwebendem Schritt
erklomm ich die Treppe. -
Da hielt geheimer Zauber meinen Fuß gelähmt -
Ich stand vor ihrer Kammertür.
Sollt' ich weilen, sollt' ich weitergehen?
Oft schon hatt' ich sie geherzt und oft geküßt;
oft in stiller Dämmerstunde,
wenn die Alte, die keifende,
mit dem Rosenkranz hinab ins Dorf zur Kirche ging. -
Oft hatt' ich dann in fragendem Flüsterton
zu ihr geredet; doch niemals gab sie meinem Wunsch Gehör;
energisch lachend, riß sie sich los und ließ mich stehen. -
Jetzt stand ich da vor ihrer Kammertür
in stiller Nacht.
Ein leiser Druck auf die Klinke,
Nur wenige Schritte, so war ich bei ihr. -
Doch wenn mein unverhofftes Kommen sie erschreckte,
horchend legte ich das Ohr an die Tür
mit klopfendem Herzen.
Keinen Laut vernahm ich.
Sie schlief wohl sanft in ihren Kissen
den süßen, glücklichen Schlaf der Unschuld,
und ich - ich wollte diesen Frieden stören!
Nun! Das sei fern!
Schlafe ruhig weiter und träume süß.
Kurz! Daß ich es gestehe!
Ich blöder Schäfer wandte mich
nun behutsam in mein eigenes Kämmerlein.
Den langen Stecken lehnt' ich an die Wand,
Ich löste die Riemen der Bergschuhe -
Mißmutig warf ich die Kleider ab;
bis ich im Hemd dastand, dem bloßen,
erhellt vom Licht des Mondes.
Ja! Mißmutig war ich, unruhvoll,
ob meiner Wünsche Nichterfüllung -
und aus der Tiefe der Brust hob sich ein tiefer Seufzer,
ein tiefer, sehnsuchtsvoller Seufzer.
Ach ja! Da - plötzlich hinter mir
an der Ecke, wo mein Bett stand -
erklang ein Echo auf meinen Seufzer - ach ja! -,
so recht aus tiefster Brust.
Es fiel ein schräger Strahl des Mondes
gerade an jene Stelle,
ja - denkt euch nur! -,
das liebe, tugendhafte, spröde Schelmenmädchen
lag - in meinem Bett.
Was ich nicht wagte, hat sie unternommen,
weil ich zu ihr nicht kam, war sie zu mir gekommen.
Nehmt ein Exempel daran, ihr blöden Junggesellen,
Die spröden Mädchen tun sich oftmals nur verstellen.
Gar mancher, der es wagt,
Der könnte viel erlangen;
Doch ist auch mancher schon
Ganz eklig eingegangen.

  
Wilhelm Busch zum Vergnügen: "Was man besonders gerne tut, ist selten ganz besonders gut" (Broschiert)
von Karl Hartmann
Siehe auch:
Wilhelm Busch - Lebensweisheiten & Gedichte
Wilhelm Busch für Boshafte
Triumph und Tragödie der Wilhelm Gustloff
(DVD (in DVD)
A Wilhelm Scream
von A Wilhelm Scream (in Musik)
The Originals - Beethoven (Klaviersonaten)
von Wilhelm Kempff und Ludwig Van Beethoven (Komponist) (in Klassische Musik)
 
   
 
     
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