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Die Kneipe des Vereins Jung-München

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Es lebt ein Heiligenmaler ...


Es lebt ein Heiligenmaler
Zu Brüssel in der Stadt,
Der viele fromme Bilder
Mit Fleiß gemalet hat.

Sein langes Haar, es wallet
Ganz nach Prophetenart,
Und um die keuschen Wangen
Weht ernst der Mosesbart.

Ins Auge flattert mystisch
BegeisterungsFlammenglut.
Die heiligen Bedenken
Bedeckt der Felbelhut,

Die Waden, einfach biblisch
Und altdeutsch stilisiert,
Umhüllen Rock und Hosen,
Daß man nichts weiter spürt.

So wandelt er auf Erden
Verkannt und dennoch keck
Im heil'gen Selbstvertrauen -
Die andern sind ihm Dreck.

Das erste Bild, das er gemalt,
Das kostet ihn nicht viel,
Er saß sich selbst dazu Modell,
Drum hat's auch guten Stil.

Er saß sich selbst dazu Modell,
Er malte, wie er's fand:
Der Adam sitzt im Paradies,
Den Apfel in der Hand.

Das zweite Bild, das er gemalt,
Das kostet ihn viel Geld,
Dieweil ein weibliches Modell
Er sich dazu bestellt.

Doch läßt man oft beim besten Werk
Den Augenblick entwischen,
So kam auch ihm, eh' er's vernahm,
Ein Hindernis dazwischen.

Das zweite Bild, das er gemalt,
Verriet schon mehr Gefühl.
Der Adam hält den Apfel noch,
Die Eva hält den Stiel.

Nun hätt' er gern das dritte Bild
Zur Arbeit gleich genommen,
Wie Adam und die Eva dann
Zu Falle sind gekommen.

Drum malt er, weil's nicht anders ging,
Die Schulden so zu decken,
Wie Adam und die Eva schnell
Sich vor dem Herrn verstecken.

Ein jedes Ding hat seine Zeit
Und geht einmal zu Ende.
Man kommt vom Alten Testament
Zum Neuen Testamente.

So malte unser Maler nun
Mit christlich frommem Sinne
Der Jungfrau höchstes Ideal,
Die Himmelsköniginne.

Doch wie's im Leben einmal geht,
Das höchste Ideale
Schlägt seine Wurzel insgeheim
Hinab in das Reale.

Sogar ein Heiligenmaler braucht
Am Ende das Reelle.
Drum nahm sich unser Maler auch
'ne Köchin zum Modelle.

Bei Tage tät er sie mit Fleiß
Sich malen und skizzieren
Und führte die Madonna dann
Bei Mondenschein spazieren.

Gar wunderlich geht's manchmal zu
Hienieden auf der Erden!
Die Suppe, die ein andrer kocht,
Muß dennoch gegessen werden.

Kaum daß ein Jahr vergangen war,
Ereilt ihn das Verhängnis -
Ein neues Beispiel zeigte sich
Von unbefleckter Empfängnis.

Die JungfrauMutter konnt' er nun,
Sich selbst als Joseph malen -
Und was der Heil'ge Geist getan,
Das mußt' der Joseph zahlen.

  
Wilhelm Busch: Max und Moritz - erzählt von Heinz Rühmann
von Heinz Rühmann
Siehe auch:
Wilhelm Busch: Hans Huckebein und andere lustig...
Max und Moritz
Max und Moritz: Eine Bubengeschichte in sieben...
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